Thema: Konzept gesucht

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Konzept gesucht
25.03.2019 von hgs62

Alexithymie ist nicht männlich“
Ich(männlich) und (leider) gefühlsmässig normal ausgeprägt lebe seit 35 Jahren mit meiner hübschen Lebensgefährtin, die seit 30 Jahren auch meine Ehefrau ist, und leider alexitym ist.
Wir haben 2 erwachsene Söhne, 29+30 Jahre alt, die nur deswegen gezeugt werden konnten, weil man Frau Ihr Problem am Anfang der Beziehung wohl noch ganz gut retuschieren und kaschieren konnte und wollte. Seit mindestens 15 Jahren haben wir keine Aktivitäten dieser sexuellen Art mehr praktiziert. Meine Frau ist heute 57 und ich 64 Jahre alt.

Um es vorweg zu nehmen:
Es kann sich neben dem Alexi kein Mitmensch weiter entwickeln.
Im Gegenteil. Das Potential (des gesunden Partners) geht verloren und kehrt sich um.“

Frage einen Blinden er solle Dir den Sternenhimmel erklären.
Das kann er nicht, denn er kennt ihn nicht und er vermisst ihn nicht.

Man darf nicht darüber nachdenken, welche Bürde es ist, mit einem Menschen,
der mit dieser Wesensart belastet ist, ein Leben zu führen.
Das ist viel schlimmer für den „normal fühlenden“ Partner, als für den Alexi selbst.

Woher kommt diese Wesensart?

Erklärungsversuche:
Emotionale Vernachlässigung in der Kindheit. ( „Lass das Baby ruhig schreien, sonst verwöhnst Du es“)
Körperliche Gewalt in der Kindheit
Sexueller Missbrauch in der Kindheit

Das ist schlimm und verdient jedes Mitleid. Das schlimmste ist, dass darüber nie gesprochen wurde. Außer einer Bemerkung meiner Frau, dass Ihr das so passiert sei, dass Sie mit 16 Jahren Ihre elterliche Familie verlassen habe, dass es schon in früher Kindheit zuhause Schläge gab, und Vater Sie und Ihre Schwester mehrmals über einen langen Zeitraum zu sexuellen Handlungen an Ihm gezwungen hat. Das alles hat Spuren hinterlassen und vermutlich diese Gefühlsarmut erzeugt.
Diese Wunden heilt keine Zeit der Welt mehr.
Linderung durch Psychoanalytik, Psychotherapie vielleicht. Dazu ist Sie aber nicht bereit.
Sie kann nicht darüber reden.

Man(n)kann das nicht länger erdulden, diese Gefühlsarmut.
Was für ein Leben das ist, für einen normalen liebenden Menschen, kann sich niemand vorstellen.

Man sieht es dem Alexi nicht an. Der Umgang mit Freunden, Verwanden, Arbeitskollegen
erscheint anfangs völlig unauffällig.
Niemand würde Dir Glauben schenken, wenn Du diese Wesensart und das unauffällige zwischenmenschliche Problem an Dritte erklären würdest….und das schlimmste daran ist, dass Dir der daran leidende Alexi, nicht glaubt, weil er nicht in der Lage ist zu verstehen, wovon Du sprichst!
„Was das glaube ich nicht. Sie hat doch so viele Arbeitskolleginnen mit denen Sie so gut befreundet ist….„Sie ist so eine gute Mutter, etc.“, das kann nicht sein“.
Doch ist leider so!

Es ist ein grausames Leben. Gemeinsam Alleine. Kein Problem für Deinen „erkrankten“ Partner, aber ein Riesenproblem für Dich.
Du wirst nicht berührt. Du wirst nicht in die Arme genommen. Du hast keinen Sex.(nie)
Du bekommst kein Feedback, ob etwas schön ist oder war (gemeinsamer. Urlaub z.B.), es gibt keine gemeinsamen Erlebnisse, Hobbies, Unternehmungen.

Man lebt zwar zusammen, aber ist völlig isoliert. Es gibt keine Resonanz für Deine Leistung, keine Quittung für Dein Tagwerk, für dein handeln und tun, egal ob beruflich oder persönlich.

Bleiben Sie trotzdem stolz auf Ihre Leistungen kann ich nur raten und warten Sie nie auf eine Geste der Verzeihung oder sogar auf eine förmliche Entschuldigung. Die gibt es nicht, da sich die geliebte Partnerin/Partner niemals falsch verhält oder etwas Beleidigendes sagt oder tut.
Sie weiß gar nicht, was Du meinst, solltest Du Sie deswegen ansprechen wollen.

Sie werden sich eines Tages fragen:
Interessiert Sie sich die Partnerin eigentlich für das was ich mache?
War es ok, war es gut, oder war es eher schlecht, was Du heute für die gemeinsame Zukunft gemacht hast , für die Kinder, am Haus, am Garten. Kein Feedback.
Du lebst allein, im gemeinsamen trauten Heim.

Wenn man das Alexi-Problem mit seinem betroffenen Partner thematisieren will, wird der Spieß umgedreht und es kommen Vorwürfe, dass man ein Problem das gar nicht existent ist, thematisiert und das Problem bei einem selbst zu suchen sei. „So langsam wirst Du auf Deine alten Tage etwas wundersam“
Alles nutzt wenig. Egal was Du unternimmst , Scheißegal. Geschenkte Bücher zum Thema werden nicht gelesen.

Wenn Sie mit einem Partner dieser Kategorie leben müssen, können Sie hören, dass Sie einem Spleen nachjagen, sich Altersdepression bei Ihnen bemerkbar macht und sie einfach nur ein verweichlichter Romantiker seien.
Kann sein, das ich das bin.
Jahrelange Abstinenz verändert den kopfschüttelnden (vermeintlich) gesunden Partner unweigerlich. Die Antennen sind ständig auf Empfang nach positiven Resonanzsignalen.
Das benötigt das eigene Ego zum Leben. Man sucht das ganz normale Zwischenmenschliche.
Man beginnt nach einigen Jahren Liebesromanzen zu lesen und schaut sich Gefühlskino mit feuchten Augen an.

Und in diesem Zusammenhang noch eins: Besuche, Partys,

31.07.2019 von KL70

Hallo,

bin durch Zufall auf das Thema Alexi gestoßen. Irgendwie ist es befreiend unserem Problem einen Namen geben zu können, andererseits ist es erschreckend wieviele Menschen es betrifft.

Wenn ich diesen Bericht hier lese, kann ich mich fast vollständig damit identifizieren.
Ich bin eine Frau und lebe seit 26 Jahren mit einem Alexi zusammen.
Wir haben den Test gemacht und er kommt auf 146 Punkte.

Wir wollen eigentlich beide, das sich unser Zusammenleben bessert.
Ich habe mich jetzt viel belesen, das Thema regelrecht aufgesogen.
Mein Mann hat sich überzeugen lassen, eine Körperpsychotherapie bei einem Heilpraktiker zu machen. Es gab auch erfreulicherweise schnell den ersten Termin. Mitlerweile hat er neben dem Erstgespräch auch 2 Sitzungen hinter sich und ein gutes Gefühl bei dem Therapeuten.

Für mich sehr emotionalen Menschen war das bisher ein riesen Lichtblick und mein "Himmel hing voller Geigen". Allerdings war mir schon bewußt, dass mich die Realität wieder einholen würde. Und das ist aktuell auch passiert.
Man ließt überall, dass man mit Alexis viel Geduld haben soll. Das ist zwar durchaus verständlich, aber nach den vielen Jahren ist bei mir die Luft raus. Ich habe das Gefühl ( schon lange), ich kann nicht mehr. In den Momenten, in welchen der Alltag ganz gut klappt, habe ich immer das (Wunsch-)Gefühl, dass alles gut ist und bleibt. Dann kommt aber doch stets der Rückschlag und alles sieht aussichtslos aus.

Für die Kinder (mitlerweile erwachsen) und weil ich ihn ja doch liebe, bin ich noch da. Ich habe im Laufe der Jahre allerdings oft auch konkret über Trennung nachgedacht. Dafür hat mein Alexi aber überhupt kein Verständnis.

Ich hoffe, dass die Therapie was bringt. Aber lange kann ich sicher nicht mehr mit dieser doch so typischen Emotionslosigkeit leben.

Ist nun auch recht lang geworden, tut aber auch gut sich mal was von der Seele zu schreiben.

Leider findet man noch sehr wenige Berichte zu dem Thema.

LG


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