Thema: Weitere Probleme wie Entspannung, Glücklich sein, Gedanken, ....

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Weitere Probleme wie Entspannung, Glücklich sein, Gedanken, ....
25.12.2019 von Frye82

Hallo,

bin neu hier, habe den Test mit 141 Punkten. Bei einigen Fragen war ich unentschlossen, da ich deren Bedeutung nicht genau verstand. Die Punktzahl könnte daher höher sein. Ich vermute mal, dass ich mit zu den Sorgernkindern gehöre. Okay mit 37 bin ich ja nicht so jung.

Grob bei mir ist, dass nicht weiß es mir geht und die Frage auch nicht beantworten kann. Es geht mir immer "Alles gut". Ich fühle mich immer neutral. Außer in Extrem Situation! Ein echtes lächeln von mir gibt es fast gar nicht und das haben nur sehr sehr wenige gesehen. Superlative (wie sehr gut, sehr schlecht) gibt es nicht. Mir fällt es auch schwer Dinge intensiv mit vielen Adjektiven zu beschreiben. Ich konnte anderen nie sagen, wie mir ein Film oder anderes gefallen. Aber wenn es nicht um Gefühle geht, ist mein Problem auch teilweise, dass dann eine Angst habe meine andere Meinung begründen zu müssen und daher sehr ausweichend und allgemein bin. Bei Leuten wo ich weiß dass meine Meinung akzeptiert wird, habe ich diese Probleme hier weniger.

Ich habe noch zusätzliche Probleme, dass ich nicht in der Lage bin zu entspannen. Ich arbeite den Tag quasi ab wie ein Roboter der nicht lebt. Ich kann nicht von mir sagen, dass ich mein Leben bisher genossen habe. Entspannen kann ich mich quasi nur wenn ich allein bin, die Liste der Probleme die mich belasten gegen 0 geht und ich dann Dinge mache, die mir Spaß machen. Das ist dann meine Arbeit. Oder eben Sex. Das kann ich haben ohne Ende und das macht mir Spaß. Sex ist ein großer Bestandteil meiner Gedanken im Alltag, ich denke daran auch wenn ich mit anderen Leute rede. Ob hier Emotionen im Spiel sind, weiß ich aber aber nicht. Ich würde sagen nein. Aber bei meiner Familie, wenn ich was mit den Kindern und meiner Frau mache, kann ich mich nicht entspannen und funktioniere nur. Ich empfinde hier auch keine Freude sondern fast nur Neutralität. Klar freue (ich glaube aber nicht mit Freude ? Glücksmomente zu verwechseln. Ist halt toll und das wars) ich mich, wenn ich sehe die Kinder lernen was neues, aber ich spüre nichts, wenn ich mit Ihnen Spiele, sie auf dem Arm halte und so.

Dann kam ich darauf, dass ich kein glücklicher Mensch bin, da ich keine Glücksmomente habe. Sicherlich freue ich mich, wenn es was leckeres zu Essen gibt oder mal ein Termin ausfällt und der Zahnarzt mir nicht weh tut, es mehr Geld gibt, .... . Jetzt beim Weihnachtsfest bei den Familien, kann ich auch nicht sagen, ob es toll war. Wenn dann höhestens analytisch nach dem Motto, ob es Stress gab oder Aufwand gab und danach bewerten. Wenn mein Leben vorbei ist, kann ich sagen, dass ich es nicht genossen habe. Ich freue mich auch nicht wirklich auf Aktivitäten, außer es betrifft meine Arbeit. Selbst Weihnachtsfeiern, Geburtstage, Feiertage sehe ich neutral entgegen und könnte auch drauf verzichten.

Mir fällt es schwer mit Leuten in Kontakt zu kommen, da meine Kommunikation nicht so gut ist und ich kann auch nur mit wenigen Leuten richtig reden. Das ist immerhin schon besser geworden und ich arbeite dran. Okay, ich denke hier dass es daran liegt, in welche Richtung sich mein Leben entwickelt hat.

In meinen Kopf gehen immer Dinge rum, die mich aktuell belasten oder erledigt werden wollen. Auch wenn ich mit anderen Leute rede. Daher springe ich immer hin und her und verletzte Leute, da ich das Thema wechsel und die denken, es interessiert mich nicht, was nie meine Absicht war. So kann ich auch nicht über spontane Dinge längere Inhalte mit fester Struktur wiedergebe und springe dann auch immer hin und her. Mit Ausnahme es betrifft die Arbeit, also die wenigen Dinge, die mich interessieren. Oft entwickel ich dann auch einen leichten Ignormodus in den ich bei vielen Situationen einen Tunnelblick habe. Ich merke wenn ich diesen Tunnelblick habe, kann den nicht immer sofort deaktivieren.

Erst als mich die Tage wieder jemand fragte, ob ich autistische Züge habe, beschäftige ich mit mir selbst und bin auf das Thema Alexithymie bekommen. Vorher dachte ich da nie nach, da es mich im Leben nicht so sehr beeinträchtigt, ich kenne es nicht anders. Ich wusste aber, dass es bei mir sehr speziell ist.

Sind bei euch nur Gefühle das Problem oder habt ihr auch Probleme beim entspannen, zu viele Gedanken, Ignormodus, Tunnelblick, Unglücklichkeit?

Dinge wie Wut und Ärger kann ich übrigens gut wahrnehmen, behalte es aber immer für mich selbst, da ich dann die Angst habe es erklären zu müssen.

Auch wenn hier nicht so viel geschrieben wird, vielleicht kommt ja irgend ein Feedback. Sorry für alle möglichen Rechtschreibfehler! Schreiben ist nicht meine Stärke.

31.12.2019 von Xaba

Hoi Frye82

Du schreibst hier sehr ehrlich wie es dir ergeht, vielen Dank dafür. In vielen Punkte sehe ich mich wieder, und es tut gut, zu lesen, dass es anderen auch so geht. Deswegen jetzt das selbe für dich :)

Mir geht es gleich wie dir, dass ich alles Neutral einstufe. In der Regel, ist alles einfach so wie es ist. Ja, der Film war ok. Das Gebäude steht halt einfach da, keine Ahnung ob es mir gefällt. Wie wurde es wohl erbaut?
Aber ich kenne halt "ich hab keine Lust"-Gefühle (irgend ein Klotz im Magen, es könnte auch Bauchweh sein, ich kann das nicht unterscheiden). Daher habe ich "neutral" immer als positiv eingestuft: "Juhu, es ist kein Gefühl da, welches mich runterzieht." Die Frage, wie es mir geht, zu beantworten fiel mir entsprechend auch immer schwer. Wie geht es mir mit einem neutralem Gefühl? In der Regel ist dies ja aber eh nur eine oberflächliche Floskel und die Antwort ist einfach immer "gut" (ausser bei wenigen vertrauten Personen).

Durch diese ständige Neutralität kann ich mich für nichts begeistern. Ich kann alles machen, einfach so erledigen, wie es bei dir ist, aber wirklich wollen oder sogar freude/spass daran haben gibts nur in sehr seltenen Fällen. Deswegen fällt es mir schwer, Hobbies zu finden, welche mir irgendwie zusagen. Wenn ich jetzt alle meine Hobbies abbrechen würde, würde ich nichts vermissen. Ich mach es einfach. Dies zerrt bei mir ziemlich an der Substanz, da man sieht, wie viel mehr Lebensfreude andere haben, welche etwas auch gerne machen. Ich kann zurzeit auch nicht zurückblicken und sagen, dass ich ein glückliches Leben hatte. Ich bin jetzt 30 und ganz ehrlich, ich will nicht 80 sein und denken "ok, eigentlich wars ein scheiss Leben". Ich kann mir gut Vorstellen, dass Alexithymie deswegen oft Ursacher für Depressionen sind. Es ist ein ständiger Kampf und man hat nicht unendlich viel Energie.

Bezüglich innerer Ruhe oder Stress: Ich bin Körperlich sehr gelassen und kenne das Gefühl Stress nur geistig. Stress von der Arbeit kenne ich nicht, wahrscheinlich da mir diese ebenfalls keine Freude bereitet, und es mir echt einfach egal ist wie es dort läuft. Aber ich mache mir auch wie du ständig Gedanken, welche an der Konzentration und Psyche zerren. Die sind bei mir einfach privater Natur und bei dir, wenn ich es richtig verstanden habe, geschäftlicher Natur. Aber ich komme auch kaum davon los. Ich hab deswegen begonnen zu meditieren um den Kopf zu leeren. Manchmal hilfts was, aber oft ist der Kopf so voller Gedanken, dass ich gar nicht richtig meditieren kann.

Zu deinen Fragen:
Enspannen: Körperlich entspannen kann ich gut, geistig nicht
Ignormodus: Ist bei mir Gegenteilig. Ich Fokussiere mich dann auf die andere Person und die eigenen Gedanken sind dann weg. Ich bin einer der schnell Verständnis aufbauen kann und die Meinungen anderer respektiert. Aber das braucht auch Konzentration, dass man dabei bleiben kann und nicht abschweift. Es gibt Apps, welche deine Konzentration steigern können wenn du sie täglich benutzt. Ich brauche da NeuroNation, Täglich 10 Minuten. Ich denke, es bringt schon etwas, aber der Effekt tritt erst nach ein paar Wochen/Monaten ein. Das neuronale Netz muss erstmals gebildet werden.
Unglücklichkeit: Ich kenne die Gefühle Glück, Freude und Liebe nicht. Oder kann sie nicht zuordnen, oder sind zu schwach, keine Ahnung. Ich weiss nicht, ob "Unglücklich" ein eigenes Gefühl ist, oder das nicht-vorhanden sein von Glück bereits Unglücklich ist. Zumindest kann ich jetzt sagen, dass ich nicht Glücklich bin. Das ist wahrscheinlich dasselbe wie Unglücklich sein...

Dinge wie Wut und Ärger kenne ich hingegen nur beschränkt. Wut/Hass kenne ich gar nicht, Ärger nur geringfügig und wenn, dann nur über mich selber. Ich denke, du kannst diese Gefühle gut mitteilen, denn "normale" Menschen fragen dann nicht, wie sich deine Wut oder Ärger anfühlt. Du wirst kaum in Erklärungsnot kommen. Für diese Menschen ist ja klar, wie sich das anfühlt. Nur alexyme Personen fragen, wie sich das anfühlt. Das ist immer Lustig, wenn ich "normale" Menschen frage, wie sich Glück anfühlt. Sie sind völlig verwirrt und können es selber gar nicht erklären. Wissen aber sehr gut, was glück ist und dass sie es haben.

Ja und ich bin auch kein Wortakrobat. 1:1 Gespräche gehen gut, bei mehr Leuten bin ich dann nurnoch ein Zuhörer. Das gepaart mit alexithymie, da hab ich oft echt den Gedanken, dass ich in einem Paralleluniversum lebe und gar nicht dazugehöre.

Ach und die Festtage inkl. jetzt der 31. waren mir auch recht egal. Aber ist auch gut so, sonst kommen wieder zu viele Gedanken ;-)

Gruss
Xaba


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